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Stadtrundgang Darmstadt (Teil 5)


Zuletzt waren wir beim Woogsplatz, nun gönnen wir uns zunächst ein schönes Panorama von Darmstadt vom Südosten aus.

  • Bild 1: Wir schauen von hier aus Richtung Schloß, links sehen wir die Stadtkirche, das Pädagog und die Stadt-Kapelle, ganz im Hintergrund den "Langen Lui". Rechts drängt sich die Altstadt, während im Vordergrund der Südosten Darmstadts noch locker bebaut ist. Das Haus im Vordergrund ist dieses, von der Nieder-Ramstädter-Straße etwas abseits gelegene Gebäude, welches später einmal die Nummer 28 tragen wird. Dieses Haus taucht 1866 zuerst auf den Karten auf, und spätestens 1875 wird es neben der Hausnummer auch einen Anbau erhalten, der auf unserem Bild noch nicht vorhanden ist. Dieses Ensemble wird erst im Krieg zerstört.
    Das Bild ist also irgendwann in den 1860er- / 1870er-Jahren entstanden, möglicherweise von einem der Häuser Nieder-Ramstädter-Straße 30, 47 oder 49 aus. Bemerkenswert noch, daß die Gegend um das Haus Nieder-Ramstädter-Straße 47 noch 1846 mit "Bäder" beschriftet ist, zu Bädern an der Stelle kann ich aber weiter nichts finden.
  • Bild 2: Die Stadtkapelle nun von Nahem, ohne Datum, aber mit einer schönen Litfaßsäule davor. Die Straßenbahnlinie, deren Schienen wir im Vordergrund sehen, gibt es seit 1897. Im Hintergrund das "Real-Gymnasium" am Kapellplatz von 1879.
  • Bild 3: Von eben diesem "Real-Gymnasium" schauen wir nun zurück Richung Südosten auf den Kapellplatz, die Stadtkapelle und das "Polytechnikum" (erbaut 1844). Es ist 1892, die Straßenbahn auf der Kapellstraße gibt es noch nicht. Die Stadtkapelle in dieser Form stammt von 1870 als Ersatz für die alte Stadtkapelle, sie wurde dann im Zweiten Weltkrieg zerstört, und heute existiert nur noch eine Ruine davon.
  • Bild 4: Geht man die Kapellstrasse weiter bis zur Karlstrasse und schaut wieder Richtung Südosten, dann sieht man das Alte Gymnasium oder auch Ludwigs-Georgs-Gymnasium. Das Gebäude wurde 1750 vor dem Bessunger Tor als Waisenhaus gebaut, 1831 zog das Gymnasium dann dorthin. Links im Hintergrund sehen wir das schon oben genannte "Polytechnikum", Strassenbahnschienen fehlen jedoch (hier ein Bild mit Schienen). Deshalb kann man das Bild nur grob auf "vor 1897" datieren, weitere Hinweise kann ich nicht erkennen.
  • Bild 5: Der selbe Standort, aber mit Blick nach Norden in die Kirchstraße. Rechts das sogenannte "Kyritzsche Stift" (Kirchstraße 22, dort stand zuvor das Hospital am Bessunger Tor), und links die Papierhandlung Emil Reuter (Kirchstraße 27). Die Gebäude hinter der Papierhandlung wurden 1898 abgerissen, außerdem fehlen wieder die Straßenbahnschienen (ab 1897). Eine Papierhandlung Reuter findet sich ab 1880 im Adressbuch, also sollte dieses Bild wohl zwischen 1880 und 1897 entstanden sein.
  • Bild 6: Von eben diesem Kyritzschen Stift gibt es auch eine Frontalaufnahme, aus der Schulstraße Richtung Osten gesehen. Es ist datiert auf "um 1890", man sieht aber die Oberleitungen und mit viel Phantasie die Schienen der Straßenbahn (ab 1897). Das Haus scheint in einem etwas schlechteren Zustand als auf vorherigem Bild zu sein, auf jeden Fall ist die Laterne sowie der kleine Erker an der Front verschwunden. Auffälligster Unterschied ist, daß die Ecke des Hauses an der Kapellstraße ein wenig abgeknapst wurde, evtl um mehr Raum für die abbiegende Straßenbahn zu erhalten.
    Links das Haus mit der Aufschrift "Schreibmaterialien & Lehrmittel" ist die Kirchstraße 20 (Adressbuch 1898: Saeng, Ludw., Buchhändler), dahinter ein Gebäude mit Mauerbögen (genau dort war schließlich mal die Stadtmauer) und dahinter wiederum das Pädagog.
  • Bild 7: Hier noch einmal das Pädagog von seiner Rückseite, vermutlich aus dem Stiftsgebäude heraus fotografiert. Ein Datum dazu kenne ich nicht, das Pädagog jedoch befindet sich in einem jämmerlichen Zustand.
  • Bild 8: Auch hier befinden wir uns wieder direkt hinter dem Stiftsgebäude, nur schauen wir diesmal auf das Haus Kapellstraße 2 (Adressbuch 1898: "Stadtgemeinde, Schulhaus"). Im Hintergrund links das "Real-Gymnasium" aus Bild 2, rechts über die Kapellstraße sehen wir das Ludwigs-Georgs-Gymnasium. Die Bildbeschreibung bei der ULB scheint nicht ganz passend zum Datum zu sein: "Pfarrhaus am Bessunger Tor. Im Hintergrund das Waisenhaus." Mit etwas Mühe erkennt man die Oberleitungen der Straßenbahn in der Kapellstraße (ab 1897). Das "Waisenhaus" war also schon lange Ludwigs-Georgs-Gymnasiumn und das Haus Kapellstraße 2 wird in den Adressbüchern auch nur bis 1876 als Pfarrhaus geführt.
  • Bild 9: Das selbe aus der exakten Gegenrichtung, wir stehen mit dem Ludwigs-Georgs-Gymnasium im Rücken und schauen auf das Schulhaus (rechts) und das Kyritzsche Stift (links), in der Mitte wieder das Gebäude mit Mauerbögen aus Bild 6. Die Papierhandlung Email Reuter ist inzwischen verschwunden, der Schriftzug "Au..." könnten von "August Graulich, Hofsprengler" stammen. Über den Brunnen und das Schild an der Mauer ist mit nichts bekannt.
  • Bild 10: Begeben wir uns nun direkt zum Pädagog und schauen von dort die Pädagogstraße Richtung Westen. Auf dem Bild ist der Häuserblock vor der Stadtkirche noch nicht abgerissen worden, auch sind keine Leitungen einer Straßenbahn zu sehen (ab 1897). Die Datierung auf 1896 kann also durchaus passen. Wir sehen von links nach rechts: Pädagogstraße 1 "Hauptsteueramt", Kirchstraße 23 "Mayer & Sender (Firma)", Kirchstraße 21 "Eigert, Christian, Bäcker", Eckhaus Kirchstraße 18 "Hublitz, Wilhelm, Kaufmann", Pädagogstraße 2 "Jäger, Ludwig, Kaufmann (Laden)" und Pädagogstraße 4 "Karl, Ferdinand, Uhrmacher". Mit dem im Titel des Bildes genannten "Frankensteiner Hof" ist wohl das Haus gemeint, in dem nun das Hauptsteueramt ist. Zuvor war dort die Realschule und davor offenbar dieser "Frankensteiner Hof", über den ich aber weiter nichts weiss.
  • Bild 11: Der oben genannte Häuserblock reicht ziemlich nah an die Stadtkirche heran, wie man auf diesem Foto gut sieht. Wir stehen in der Holzstraße und schauen Richtung Süden, rechts erkennt man ein Stück der Stadtkirche, links geht es in die Kirchstraße. Wie gesagt verschwinden diese Häuser ab 1898 vom Stadtplan. Andererseits taucht der Kaufmann Gustav Decius, dessen Laden wir links sehen, erst 1898 unter dieser Adresse Holzstrasse 26 im Adressbuch auf, vorher hatte er seinen Laden weiter die Kirchstraße hinunter. Demnach müsste dieses Bild ziemlich genau 1898 entstanden sein. Das Haus in der Mitte (Kirchstraße 15) gibt dann allerdings Rätsel auf. Es müsste das Geschäft eines "J. Schmitt" darin sein, der mit "Farbwaaren, Droguen und Colonial-Material" handelt. Leider kann ich keinen einzigen passenden Schmitt in der Kirchstraße finden, weder in den Adressbüchern von 1898 oder 1897 noch in den Jahren davor oder danach. Sonderbarerweise gibt es zu der Zeit eine Firma "Schmitt & Wildenhain, Chemikalien und Droguerien", allerdings mit Inhaber "Rob. Leonh. Schmitt" in der Casinostr. 17.
  • Bild 12: Warum dieser Häuserblock südlich der Stadtkirche dann abgerissen wurde, ist mir nicht bekannt, möglicherweise wollte man der Stadtkirche etwas mehr Raum und Geltung verschaffen. Da die Brachfläche auf unserem Bild recht schmucklos daliegt, würde ich davon ausgegen, daß das Bild auch kurz nach dem Abriss entstanden ist, also 1898 oder 1899. Wir stehen auf der Kirchstraße und haben freien Blick auf die Stadtkirche. Links davon sehen wir das Städtische Pfandhaus (Kirchstr. 9), rechts die Einhornapotheke (Kirchstr. 10 1/2, "Bothe, Paul, Apotheker"). Ganz rechts dann die Häuser Kirchgasse 14 ("Horn, Adam, Kaufmann") und Kirchgasse 16 ("Emich, Michael, Metzger"). Das Gasthaus "Zum Weissen Schwan" wird gerade so von der Nr. 14 verdeckt.
  • Bild 13: Zum Abschluß ein Bild von dieser Situation aus einer Zeit, als ein Teil des freigewordenen Platzes wieder bebaut war, also nach ca. 1901. Zumindest lassen die Schatten die neue Bebauung im Rücken vermuten. Wir sehen wieder die Stadtkirche (links), die Einhorn-Apotheke (Kirchstraße 10 1/2), das Schild von Gustav Decius an der Holzstraße 26 (wir kennen es zum Glück von Bild 11), das "Gasthaus zum weißen Schwanen" (Kirchstraße 12) sowie "Kaufmann Adam Horn" (Kirchgasse 14) und "M. Emich, Kalbs- & Schweinemetzger" (Kirchgasse 16) .

Diese Gegend um die Stadtkirche herum ist heute leider nicht mehr wiederzuerkennen, im Krieg ist nahzu alles komplett zerstört worden.

Im nächsten Teil des Rundgangs gehen wir dann wieder zum Schloß und zum Marktplatz.


     
  Bild 1: Panorama Darmstadt  
     
Bild 1: Panorama Darmstadt

     
  Bild 2: Stadtkapelle  
     
Bild 2: Stadtkapelle

     
  Bild 3: Kapellplatz  
     
Bild 3: Kapellplatz

     
  Bild 4: Ludwig-Georgs-Gymnasium  
     
Bild 4: Ludwig-Georgs-Gymnasium

     
  Bild 5: Kirchstraße  
     
Bild 5: Kirchstraße

     
  Bild 6: Kyritzsches Stift  
     
Bild 6: Kyritzsches Stift

     
  Bild 7: Pädagog  
     
Bild 7: Pädagog

     
  Bild 8: Kapellstraße 2  
     
Bild 8: Kapellstraße 2

     
  Bild 9: Kyritzsches Stift und Kapellstraße 2  
     
Bild 9: Kyritzsches Stift und Kapellstraße 2

     
  Bild 10: Pädagogstraße  
     
Bild 10: Pädagogstraße

     
  Bild 11: An der Stadtkirche  
     
Bild 11: An der Stadtkirche

     
  Bild 12: An der Stadtkirche  
     
Bild 12: An der Stadtkirche

     
  Bild 13: An der Stadtkirche  
     
Bild 13: An der Stadtkirche

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23.06.21 18:53 breiter Kristof [0 Kommentare]