Geschickt an die Stadt Langen am 1.3.2019, zudem erschienen in der Langener Zeitung am 2.3.2019 und in der Frankfurter Rundschau am 7.3.2019, hier als PDF
Wir sind besorgt. Das alte Langen wird nach und nach abgerissen. War es letztes Jahr das Haus Wassergasse 24 (Baujahr 1852), das überraschend verschwunden ist, so steht aktuell das Fachwerkhaus Leukertsweg 8 (von 1819) kurz vor dem Abriss.
Wir, das sind viele Langener Alt- und Neu-Bürger, die schockiert sind über den fortschreitenden Verlust an historischer Bausubstanz, und die die Salamitaktik der Abrisse nicht weiter hinnehmen möchten. Es ist erschreckend festzustellen, wie wenig das alte Stadtbild und die Häuser geschützt sind.
Dabei ist es doch zweifellos das Stadtbild und die Bausubstanz von früher, die einen wichtigen Teil des Charmes und der Identität von Langen ausmachen. Sie sind ja selbst Langener Bürger und sind hier größtenteils auch aufgewachsen. Es herrscht sicher Einigkeit darüber, dass unsere eigentliche Altstadt erhalten werden muss. Umso ernüchternder ist es, wenn man sieht, wie wenig diese Häuser dort tatsächlich etwa vom Denkmalschutz oder den Bebauungsplänen geschützt sind. Besonders gefährdet sind aber auch die Häuser der näheren Umgebung der Altstadt: Rheinstraße, Wilhelmstraße, Keimstraße, Lerchgasse, Leukertsweg. Viele der Bauten stammen aus dem 19. Jahrhundert, eine Zeit, in der Langen gerade begann, sich über die mittelalterlichen Grenzen hinaus zu erweitern. Diese Häuser spiegeln den Aufbruch, den Geist und die Bautechniken jener Zeit wider. Das 19. Jahrhundert ist ein wichtiger Teil unserer Geschichte.
Man sollte sich nicht täuschen. Wenn wir die Substanz aus dem 19. Jahrhundert nicht für erhaltenswert erachten, so würde auch von der Altstadt nicht viel übrigbleiben. Kaum ein Fünftel der Häuser dort ist älter. Wir sollten retten, was wir noch haben. Erhalt und zeitgemäße Nutzungsformen historischer Gebäude schließen sich dabei keinesfalls aus, wie viele Beispiele in Langen und auch in anderen Städten zeigen.
Es bleibt nicht viel Zeit. Wir fordern deshalb dringend ein Umdenken bei Politik, Investoren und Hausbesitzern.
(z.Zt. 26 Unterstützer)