Lufthansa Cargo zufolge hatten die russischen Behörden die Überfluggenehmigung überraschend nicht verlängert. Als Begründung nannte das Verkehrsministerium in Moskau die Weigerung der deutschen Seite, sich für ein Frachtflugdrehkreuz in Sibirien zu entscheiden.
(...) Nach Einschätzung Moskauer Experten geht es im jüngsten Wirtschaftskonflikt zwischen Russland und dem Westen vor allem um die Gebühren für Starts und Landungen. Das russische Verkehrsministerium erklärte, die bisherigen Frachtflüge von Lufthansa Cargo über das russische Territorium mit Zwischenstopp in Astana seien in dem Regierungsabkommen beider Länder nicht vorgesehen. Aus geografischer Sicht wäre ein Zwischenstopp in Sibirien für die Lufthansa günstiger als in Zentralasien. (...) Nach der Verlängerung der Überflugrechte der Lufthansa Cargo in Russland geht es in den weiteren Verhandlungen um einen Zeitplan für den Umzug des Lufthansa-Frachtdrehkreuzes von Kasachstan zum russischen Flughafen Krasnojarsk. (...) Derzeit nutzt die Lufthansa-Frachttochter den Flughafen der kasachischen Hauptstadt Astana als Drehkreuz für die Flüge nach Asien. Russland hatte eine Verlagerung nach Krasnojarsk verlangt.
Eine Lesermeinung in FAZ.net:
Schlimmer als die extremen Wetterverhältnisse und die noch mangelnde technische Flughafenausrüstung im zentralsibirischen Krasnojarsk ist die Tatsache, dass die Stadt etwa 60 km südlich von Schelesnogorsk liegt, dem "mit Abstand höchstverstrahlte[n] Ort weltweit".
Die Cargo will auch gar nicht nach Russland, Cargo-Chef Spohr benutzt im WELT-Interview das Wort "Verknüpfung" statt "Erpressung":
Zum einen ist es ein einzigartiger Vorgang, dass man uns durch den Entzug von Überflugrechten offenbar dazu zwingen möchte, unser Drehkreuz von Astana nach Sibirien zu verlegen. Auf eine solche Verknüpfung können wir uns schon aus Prinzip nicht einlassen. Zum anderen wäre eine kurzfristige Verlegung aus operationellen Gründen derzeit gar nicht machbar, denn die infrage kommenden Flughäfen in Sibirien verfügen nicht über die für uns notwendige technische Infrastruktur. So können Sie beispielsweise bei sehr schwierigen Wetterbedingungen wie dichtem Nebel dort gar nicht landen.
Andererseits könnte es auch sein, daß die Forderung einer Verlagerung für die Cargo nicht ganz so überraschend war, wie sie es jetzt darstellt. "Problemlösung durch Aussitzen" könnte hier nach hinten losgegangen sein: Das ARD-Hörfunkstudio Moskau vom 2.11. dazu
Folgendes steht bei Russland-Aktuell:
"Am 28. Oktober hat das russische Verkehrsministerium daher einen Brief an das deutsche Ministerium geschickt, mit dem Vorschlag, eine gemeinsame Lösung zu finden. Unserer Meinung nach sieht die so aus, dass Lufthansa bei ihren Flügen nach Südostasien einen russischen Hub benutzen sollte, entweder Nowosibirsk oder Krasnojarsk", erklärte Timur Chikmatow, Pressesprecher des russischen Verkehrsministeriums gegenüber Russland-Aktuell.
Aber auch dies:
Wohin die staatlichen Einnahmen für die Abfertigung von Lufthansa Cargo fließen würden, ist nicht bekannt. Allerdings kassiert Russland bislang schon jährlich 300 Mio. Euro von europäischen Airlines für die Gewährung von Überflugrechten. Dies ist u.a. deshalb seit Jahren ein Streitpunkt zwischen der EU und Russland, weil Moskau damit auch die Fluggesellschaft Aeroflot finanziert. (...) Zwischen Aeroflot und Lufthansa gibt es seit längerem Spannungen. Zunächst entschied sich Aeroflot 2004 der Sky Allianz um Air France beizutreten, statt sich der Star Allianz der Lufthansa anzuschließen. In diesem Jahr traf Lufthansa, dann die Entscheidung, den von Aeroflot betriebenen Flughafen Scheremetjewo im nächsten Jahr zu verlassen und zu Domodedowo zu wechseln.
Die Deutsche Lufthansa ist mit ihrer Frachttochter Lufthansa Cargo auf glattes politisches Parkett geschlittert. Im Streit um die Überflugrechte über Russland musste Lufthansa-Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber den Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee bremsen. Denn laut Mayrhuber ist eine Verlagerung des Luftfrachtdrehkreuzes keineswegs beschlossene Sache.