Die Nazi-Zeit ist in Langen immer noch mit vielen Fragezeichen versehen, nicht nur auf Seiten der Täter. Auch was die Opfer angeht, gibt es noch etwas zu lernen. Wir wissen einiges von der Vertreibung der Juden und der Verfolgung von Sozialisten. Daneben gab es aber auch Schikanen z.B. gegenüber den "Bibelforschern" (heute nennen die sich "Zeugen Jehovas"), wie ich lernen musste. Belegt ist das für Franz Seel II. aus Langen, von dem einige entsprechende Bescheinigungen erhalten sind.
Die "Bibelforscher" haben weitestgehend den Kriegsdienst verweigert und auch nicht den Hitlergruß gezeigt. Diese Weltanschauung war also nicht einfach so zu verbergen. Prompt wurde Franz Seel 1939 auch eine Beförderung verweigert.
Pikanterweise musste sich Franz Seel nach dem Krieg weitere Repressalien von früheren Mittätern oder Mitläufern bestätigen lassen, um als politisch verfolgt anerkannt zu werden. So schreibt "Georg Schneider, Polizeimeister a.D." 1946:
Besonders interessant ist ein Schreiben von Wilhelm Umbach von 1949, das die ganze Ambivalenz der Zeit zeigt. Umbach, während der Nazi-Zeit in die NSDAP eingetreten, und nach dem Krieg bürgernaher und durchaus beliebter Bürgermeister von Langen, bescheinigt hier, daß "Franz Seel ... während der Nazizeit zu leiden" hatte. Der letzte Satz lautet freimütig: "Der Unterzeichnete (also Umbach) war während der Nazizeit als geschäftsführender Oberstadtinspektor bei der Stadtverwaltung Langen tätig und hat diese Vorgänge miterlebt."
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